Kommentar zum Vater Unser im Matthäusevangelium 6:5-13
- 18. Sept. 2021
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Und wenn du betest, sollst du nicht sein wie die Heuchler; denn sie stellen sich gern in den Synagogen und an den Strassenecken auf und beten, um von den Leuten bemerkt zu werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon empfangen.
nicht wie die heuchler Das Wort, das Jesus hier verwendet, wurde auch für «Schauspieler» gebraucht. Damit sie von den Menschen gesehen und bewundert werden (Mt 23:14.25.28, Mk 12:40, vgl. 2Tim 3:9, Kol 3:23-24, Gal 1:10). Heuchelei bleibt nicht ungestraft (vgl. Jes 9:16, Hiob 13:16). Jesus kritisiert hier die falsche Motivation der Beter (vgl. Lk 18:13-14, vgl. 2Tim 3:5). sie haben ihren lohn schon empfangen
Querverweise: Apg 5:1-8, Lk 18:10-15[1], Mt 23:5, Jak 3:17
Dazu ein Witz: Während der Andacht betet der Pfarrer laut: «O Herr, ich bin ein Nichts, nur ein Staubkorn, das um Gnade fleht. Bitte hilf mir!» Und der Kantor stimmt ebenfalls ein: «O Herr, ich bin auch ein Nichts, nur ein Staubkorn, das um Gnade fleht. Bitte hilf mir!» Während die gesamte Gemeinde keinen Laut von sich gibt, ruft aus der letzten Reihe der stadtbekannte Schnorrer: «O Herr, auch ich bin ein Nichts, nur ein Staubkorn, das um Gnade fleht. Bitte hilf auch mir!» Darauf sagt der Pfarrer verärgert zum Kantor: «So eine Frechheit! Heutzutage bildet sich wirklich jeder ein, ein Nichts zu sein.»
Du aber, wenn du betest, geh in dein Kämmerlein und schliesse deine Türe zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird es dir öffentlich vergelten.
wenn du betest Gott wartet darauf, dass wir die Initiative ergreifen (vgl. Lk 15:17-20). Wenn, dann entschlossen und im Glauben (vgl. Jak 4:2)der im verborgenen ist vgl. 1Tim 6:16, Lk 11:9, Mt 13:44-46, Micha 3:4, vgl. Joh 1:47-51 der ins verborgene sieht Vor Gott ist nichts verborgen, da die Allwissenheit ein Attribut Gottes ist (2Kö 4:33, Apg 10:31, Jes 29:15-16, Mt 22:18, Hebr 4:13). «Naht euch Gott, so naht er euch.» (Jak 4:8) wird es dir öffentlich vergelten Hier auf Erden oder am Tag des Gerichts in der Gegenwart der Menschen und der Engel (Röm 2:5-6). Ein ermutigendes Beispiel ist das aufrichtige Gebet Hannas, der Mutter Samuels (vgl. Ps 23:5, Lk 1:6.25, 8:17, Ps 145:19, 34:16, 1Kor 15:58, Joh 9:31).
Querverweise: 6:18, Lk 8:17, 1Sam 1:1-19, Spr 15:29, Joh 9:31, 14, Jak 4:8, 2Kö 4:33, Dan 6:11, Jer 17:10
Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört um ihrer vielen Worte willen.
plappern Mit einem Mustergebet muss man nicht meinen, Gott überreden zu können. Die Absicht ist wichtiger als Inhalt. (d. Übers. aus dem engl. «Intent is prior to content», vgl. Jak 4:8). Er weiss, was wir brauchen, noch ehe wir es wissen (6:32, vgl. Hiob 11:12). Dies steht nicht im Widerspruch zur Aufforderung, ein dynamisches und leidenschaftliches Gebetsleben zu führen (1Th 5:16-18). Siehe Bemerkung zu V7. Heiden Im biblischen Kontext und aus jüdischer Sicht Nationen oder Völker, die zum Götzendienst neigen (Polytheismus), Unreinheiten verkörpern oder a-theistisch leben (Eph 2:12). Mit der Berufung Abrahams und später Israels begannen sie die Anderen, nicht Ausserwählten, als Heiden zu bezeichnen (1Mo 12:1-3, Mt 5:47, 15:21-25). Oft abwertend gemeint, wie ein Stadtbewohner den Landbewohner niedriger sieht. Beispiele für Heiden, die sich später dem wahren Gott zuwandten: Jethro (2Mo 18), Ruth (Ruth 1:16), Rahab (Mt 1:5), Witwe von Zarpat (1Kö 17), der Aramäer Naaman (2Kö 5), die Niniviten (Hauptstadt der Assyrer, Jona 3), Kornelius (Apg 10), röm. Hauptmann (Mt 27:54) und wahrscheinlich der Apostel Lukas. Weil Herz und Tat wichtiger sind als Volkszugehörigkeit – und aufgrund Gottes Liebeswillen -, ermöglichte er auch den restlichen Menschen das ewige Leben (vgl. Lk 2:29-35, Gal 3:28, Röm 1:16, Mt 22:1-14, Joh 3:16-19, Jes 42:1.6, Apg 22:21, 13:48, Joh 10:16). Der Begriff Heide wird heute zu Recht nicht mehr gebraucht, ausser in der Predigt biblischer Texte. sie meinen Weil sie Gott nicht kennen (1Th 4:5, vgl. Hos 4:6, vgl. Spr 14:12).
Querverweise: 2Tim 3:5, Mt 23, Jes 58:35, Jes 1:11-15, 1Kö 18:26
Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen! Denn euer Vater weiss, was ihr benötigt, ehe ihr ihn bittet. Deshalb sollt ihr auf diese Weise beten:
ihr sollt ihnen nicht gleichen «Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist fern von mir.» (Mt 15:8, vgl. Hos 3:6 Jes 29:13). deshalb sollt ihr auf diese weise beten Im Lukasevangelium erfahren wir von der Bitte der Jünger, im Gebet unterwiesen zu werden. Das ist kein Widerspruch zur Wiedergabe im Mt-Evangelium, sondern ein Unterschied. Wir dürfen daher vernünftigerweise annehmen, dass viele Szenen und Gesagtes wiederholt stattgefunden haben, als von den Autoren schriftlich festgehalten (vgl. Joh 21:25, Mt 26:44, Joh 2:22, Lk 18:34). Zum Beispiel, dass Jesus mehr wie einmal gesagt hat: «Machen das die Zöllner nicht ebenso?» Wichtige Themen wurden bestimmt mehrfach angesprochen, vor allem, wenn wieder neue Zuhörer dabei waren.
Querverweise: Lk 11:1-4, Ps 14:2, 69:17
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name.
vater Aramäisch Abba, gleich der kindlichen Anrede Papa (Gal 4:6, Röm 8:15, Mk 14:36). Bringt die intime Vertrautheit zum Ausdruck (vgl. Mt 18:13, Ps 89:27). Unter anderem deshalb ermahnte Jesus, niemanden auf Erden den Ehrentitel Vater zu geben oder zu vergöttlichen, denn Gott ist eifersüchtig[1] (23:9, 2Mo 20:4-5). Gott ist eifersüchtig, wenn jemand einem anderen etwas gibt, das rechtmässig ihm gehört (z.B. die Hingabe). Teil der Mission Jesu war es, den Vater zu offenbaren (Joh 1:18, 14:9, 17:25-26). Er ist Vater, weil er uns auf die Welt gebracht hat, fürsorglich ist, uns liebt, erzieht, ernährt und beschützt und nur er uns das Gefühl der Geborgenheit vermitteln kann. Folglich gilt: Wer sich auf seinen Charakter und Namen beruft, bewegt Gott zum Handeln, sofern das Wollen aufrichtig ist (Ps 91:14-16, vgl. Hebr 11:6) unser Er ist beziehungsorientiert (Mal 1:6). Durch den Glauben an Gottes geliebten Sohn werden wir in seine Familie aufgenommen und er wird zu unserem Vater (Joh 1:12, 14:23, vgl. Röm 8:15). Dies bewirkt der Heilige Geist. Das blosse hineingeboren werden in eine christliche Familie oder in einen religiösen Haushalt gilt nicht als Vorrecht auf den Himmel. Gott hat keine Enkelkinder (Stefanie Thoms, siehe Mt 3:9, vgl. Jer 7:4, Joh 8:31ff). Daraus ergeben sich Rechte und Pflichten: eine nennenswerte Folge der «geistlichen Adaption in Gottes Familie» ist der Anspruch auf ein Erbe (Röm 8.17). Die Pflicht als Kind ist Gehorsam und Ehre zu erbringen und den Namen nicht in den Schmutz zu ziehen (vgl. Lk 6:46, Mal 1:6). Kinder ahmen ihre Eltern nach. Darum nannte Jesus die Andersartigen «Kinder des Teufels» (od. Kinder der Nacht, Joh 8:12ff, vgl. Mt 23). Ausserdem heisst es hier «unser Vater», weil wir Christen keine Einzelgänger sind, sondern einer Glaubensgemeinschaft zugehörig sind. im himmel Ein Ausdruck für die Transzendenz Gottes oder der Begegnung mit Christus (Mt 21:25-26, 17:1-11, Joh 6:68f, 14-16). geheiligt werde dein name Gott ist heilig und macht heilig (Joh 17:11.15-19, Jes 29:23, 6:3, 3Mo 19:2, Hes 37:28). Er heiligt, grenzt ab und weiht (Ps 23:3, vgl. Jes 48:9-11, Hes 20:14, Exodus). Wenn unsere Sünden ans Tageslicht kommen, beschmutzen wir seinen Namen (Röm 2:23ff, Hes 36:20-23, Jes 52:5). Darum ermahnt Petrus «Jesus in unserem Herzen zu heiligen» (1Pt 3:15, vgl. Joh 17:15-19). Ausserdem ist Gott im Gegensatz zu den gefallenen Menschen und Engel makellos und rein, und somit heilig (Gegensatz zur Sündhaftigkeit, vgl. Lk 9:26).
Querverweise: Ps 91:14-16, 29:2, Maleachi 1:6, Lk 11:1-4, 1:49, 1Chr 16:29, Joh 4:23-24, 2Mo 20:7, 2Sa 7:26, Jes 29:23
Dein Reich komme.
dein reich komme Die Gottesherrschaft ist geistlich gegenwärtig im Herzen der Glaubenden als erfahrbare Wirklichkeit. Es gilt «noch nicht», aber «schon jetzt» (Lk 17:21, 11:20, Offb 3:20, Joh 3:1-13, 18:36). In Zukunft aber materiell und irdisch, wenn er die restlichen Verheissungen erfüllt (Offb 20:4-6, Mt 23:39, Sach 14:4, vgl. Apg 1:11f). Nach Jesu Wiederkehr wird physische und moralische Vollkommenheit zur Realität in der überwältigenden Gegenwart des Guten und der Abwesenheit vom Bösen (Offb 21-22, 1Kor 15:55). Jesus gab sich mit der Jenseits-Vertröstung nicht zufrieden, weswegen der Heilige Geist als Beistand jetzt schon für uns da ist (Joh 14-16, vgl. Mt 11:28-30). Im Hinblick auf das Kommen ist ein unerschütterlicher Eifer um Gottes Reich, Ehre, Evangelium, Erbe und Menschen sinnvoll (vgl. 1Kor 2:9, 15:10). Dabei dürfen wir auch an uns denken, um in unsere «himmlischen Taschen zu wirtschaften» (Mt 6:19-24, Mk 10:29-30). «Der Herr zögert nicht sein endgültiges Kommen heraus, sondern ist langmütig und will nicht, dass jemand verlorengeht, sondern Raum zur Busse hat» (2Pt 3:9). Der natürliche Mensch hat den Geist nicht und versteht daher diese geistliche Realität nicht, und stempelt sowohl das Christentum als auch die Christenheit entweder als Dummheit[2] oder Blasphemie ab (Jud 19, 1Kor 2:14, 1Kor 1:18.23-24, 15:19). Wer dazu noch ohne Hoffnung ist, fällt in Traurigkeit, Angst, oder in einen ausschweifenden Lebensstil (vgl. 1Th 4:13, Jes 22:13, Jud 18).
Querverweise: Mk 4:26-29, Mt 3:2, Offb 22:17, 11:5, Ps 110, Röm 14:17, 1Kor 13:8-13, Joh 18:36, Ps 68:5, Phil 2:11
[1] Wir sprechen von Gott aus einer menschlichen Perspektive (Anthropomorphismus).
[2] Weil das Kreuz an nichts anknüpft, was Menschen von Gott denken. Es ist Schwäche, nicht Stärke, Scham, nicht Ehre. «Torheit» und «Blasphemie», weil die Art und Weise, wie Gott das Heil schaffte, weder zur Weisheit noch zur jüdischen oder muslimischen Gottesvorstellung passt (siehe auch Matthäus 11).
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden.
dein wille geschehe[1] Wir können nicht bitten, dass sein Wille geschehe, wenn wir nicht gehorsam sind gegenüber seinem geoffenbarten Willen. Ungehorsam hat uns schon einmal Gott gekostet. Ausserdem ist das Tun (im Glauben) wichtiger als das Sagen (Mt 6:46, 21:28-30, Jak 1:22, Mk 3:31-35). Das sagt uns auch unser von Gott geprägtes Gewissen. Denn «wer nicht mit ihm ist, der ist gegen ihn. Wer nicht mit ihm sammelt, der zerstreut» (Lk 11:23). Als Community prüfen und beurteilen wir, was sein Wille ist (Röm 12:2). Er hat uns aber in seine Karten schauen lassen: Christusähnlichkeit, Heiligkeit, Dankbarkeit, Demut, humanitäre Hilfe et cetera. Wir wissen auch von seinen wunderbaren Verheissungen und Versprechen. Darum beten und bitten wir in Übereinstimmung: dein Wille geschehe (zumal wir wollen, aber nicht können: Mt 26:41, Offb 22:17). Ausserdem unterscheiden wir zwischen dem geoffenbarten und verborgenen Willen: «Wenn ich will, dass er [Johannes] bleibt, bis ich komme, was geht es dich an?» (Joh 21:23, 5Mo 29:28) wie im himmel, so auch auf erden Gilt für die ersten drei Bitten: Geheiligt werde dein Name: im Himmel und auf Erden. Dein Reich komme: im Himmel und auf Erden. Dein Wille geschehe: im Himmel und auf Erden. (vgl. Neh 9:6, Dan 4:32, Ps 103:19-21).
Querverweise: Mal 1:6, Ps 139:24, Röm 12:2, Apg 21:14, 1Th 4:2ff, Eph 5:17, 1Sam 15:22, Joh 3:30, Offb 22:17
[1] Dazu ein Witz: Ein evangelischer Pastor, ein katholischer Pfarrer und ein Rabbiner streiten sich über Glaubensfragen. Schliesslich sagt der Rabbiner: «Hören wir doch endlich auf zu streiten, schliesslich dienen wir alle demselben Herrn – ihr auf eure Weise und ich auf seine Weise.»
Gib uns heute unser tägliches Brot.
gib uns heute unser tägliches brot Hier geht es das erste Mal um uns und unsere Bedürfnisse. Gott und sein Reich kamen davor, weil sie wichtiger sind. «Gib uns» war die Aufforderung der Tempelsteuereintreiber an den Apostel Petrus. Jesus wies in ihn an, an den See angeln zu gehen. Denn im ersten Fisch, den er fängt, würde das Geldstück liegen, um die Tempelsteuer zu bezahlen. Vielleicht berichtet diese Szene buchstäblich über ein Wunder. Oder aber Petrus bezahlte die Tempelsteuer mit dem Erlös aus dem Verkauf des Fisches. Das Ergebnis bleibt dasselbe: Gott beantwortet das Gebet und sorgt sich um uns.[1] Mit dieser Bitte gestehen wir unsere Armut und Bedürftigkeit ein, weil wir im Hinblick auf unser körperliches und geistliches Wohlergehen auf Gott angewiesen sind (Ps 23). «Er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte», sind die Worte Jesu (Mt 5:45). Seine Worte sind Geist und sind Leben, darum sagte Jesus auch: Kommt zu mir, ich will euch erquicken. (Joh 6:63, Mt 11:28-29). Möge er uns beim Beten auf die Menschen aufmerksam machen, die auf die Versorgung und Hilfe angewiesen sind. Um das zu teilen, was wir haben, mit denen die es nötig haben (Mt 25:35) [2]. Denn auch sie bitten um ihr tägliches Brot.
Querverweise: Psalm 23, Lk 11:5-13, Mt 17:24.27
[1] Ich bin aber selbst davon überzeugt, dass es ein Wunder war (vgl. Joh 21:25). Ich lebe mit einer ständiger Erwartung von Wundern und dem Eingreifen Gottes, und halte danach aber in den natürlichen Umständen, Mittel und Umwelt Ausschau (Mt 21:21, vgl. 19:26). Geht es um finanzielle Angelegenheiten? Dann betrachte ich den Handel, ein Projekt oder z. B. Job als Möglichkeit, das Problem zu lösen (wobei ein ungeheuerlicher Lotteriegewinn nicht schlechte wäre).
[2] Wir segnen, weil wir gesegnet wurden. Wir vergeben, weil uns vergeben wurde. Wir lieben, weil er uns geliebt hat. Wir stiften Frieden, weil er uns mit sich versöhnt hat. Wir trösten, weil wir getröstet wurden. Wir ermutigen, weil wir erquickt wurden und mahnen, weil wir gerufen wurden. Selbstgenügsamkeit ist ein blödes Hindernis.
Und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unseren Schuldnern.
und vergib uns unsere schulden In der Parallelstelle heisst es Sünde, nicht Schuld (Lk 11:4). Das Verstricken in Schuld ist letztendlich ein Resultat unserer Willens- und Wahlfreiheit. Wir missachten sowohl die Gebote als auch Verbote. Siehe 1Joh 1:7-9, Spr 24:16, Mt 26:28. Weil der, «der das Äussere gemacht hat, auch das Innere schuf», und dadurch das Recht hat, zu vergeben als auch zu verurteilen. Verzeihung und Vergebung sind keine billigen Worte. Wer sich seiner Schuld oder Sündhaftigkeit bewusst ist, trifft unmittelbar Massnahmen der Wiedergutmachung (Apg 26:20, 2Chr 7:14). Schuldgefühle, Reue[1], Furcht vor der Strafe und die Langmut vom Herrn sind dazu da, uns zum Handeln zu bewegen. Jesus sagte über eine Frau, die ein ausschweifendes Leben führte und dann Busse tat: «Ihre vielen Sünden sind vergeben worden, darum hat sie viel Liebe erwiesen; wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig.» Mit anderen Worten: Wer viel liebt, dem wird viel vergeben (vgl. Mt 5:7, Lk 7:47). Das sollte die Sequenz sein und ist ein Merkmal eines echten Christenmenschen, auf den oder die der Heilige Geist ruht. Damit der Heilige Geist uns erfüllen, erquicken und erhöhen kann, muss man vorab in Demut seine Schuld und gewissermassen seine Hilfslosigkeit eingestehen (vgl. 1Pt 5:6, Apg 13:22, Ps 53:2)[2]. wie auch wir vergeben unseren schuldnern. Vgl. V14-15, Mk 11:25. Christus macht deutlich, dass die vertikale Beziehung zu Gott, die Horizontale des Mitmenschen einschliesst (genau wie die Zehn Gebote eine horizontale und vertikale Ebene haben). Jesus wurde nicht müde zu betonen, wie wichtig die Vergebung und Entlastung des Mitmenschen ist (auch wenn wir uns manchmal die Nicht-Existenz des anderen wünschen).
Querverweise: Lk 15:21, 6:35, Jes 43:25, Röm 10:9-13, 13:14, 1Pet 3:9, Ps 130:4, Hebr 8:12, Eph 1:7
[1] Reue, Bedauern oder Tränen in den Augen sind kein Zeichen dafür, echte Busse getan zu haben. Judas selbst bekannte, Unschuldiges Blut vergossen zu haben und bedauerte es sehr. Doch anstatt um Vergebung zu bitten und umzukehren, entschied er sich für den Selbstmord. Ihm fehlte es nicht an Einsicht, sondern an Glauben.
[2] David war ein Mann nach Gottes Herzen, weil er demütig war und sein Herz auf Gott ausgerichtete.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern errette uns von dem Bösen.
und führe uns nicht in versuchung Gott stellt unseren Glauben oder Gehorsam auf die Probe (1Tim 3:10, Ps 26:2, vgl. 1Mo 19:22, Lk 8:13) oder prüft uns (Offb 2:2); verleitet uns aber nicht zur Sünde (Jak 3:13, vgl. 1:14-16). Er schafft zeitgleich einen Ausweg, so dass wir die Probe bestehen können (1Kor 10:13, vgl. 2Pt 2:9). Papst Franziskus äusserte 2017 aus diesem Grund die Kritik, dass die Übersetzung aus dem griechischen nicht angemessen sei. Denn Gott führt uns nicht in Versuchung, sondern das personale Böse tut dies. Es sei besser, zu bitten, dass Gott uns aus der Versuchung führt oder nicht zulässt, dass wir in Versuchung geraten.[1] Auf jedenfall klagt uns der Satan vor Gott an, in der Hoffnung, dass wir durch das herbeigeführte Leid oder Verlust Entfremdung empfinden und Gott den Rücken kehren. Er weiss, dass Ungehorsam nicht ungestraft bleibt und Gott Recht übt. Darum erscheint in der gleichen Gebetszeile die Bitte, vom Bösen[2] errettet zu werden (siehe Bemerkungen im nächsten Abschnitt errette uns von dem bösen). Durststrecken und Stolpersteine im Leben des Beters sind normal, doch wer gegenüber den eigenen Bedürfnissen nicht zurückhaltend ist, und dem «Fleisch» nachgibt, hat mit physischen, psychologischen und geistlichen Konsequenzen zu rechnen: es formt das Gewissen und den Hunger (vgl. Gal 6:1, 1Tim 1:19, 3:9, 1Kor 10, Ps 78:56). De facto tritt niemand ungestraft in ein Leben der Profanität ein (vgl. Joh 5:14, Mt 6:22f). Die Frage die sich dann stellt: was, wenn wir versagen? Dann machen wir weiter, wo wir aufgehört haben (Spr 24:16). Because God is the God of the second chance (Ps 37:24, vgl. Mt 28:20, Lk 15:3ff).[3] Wir fangen nie an, aufzuhören und hören nie auf, anzufangen. Möge er unser Gewissen reinigen und uns auf den letzten Tag vorbereiten. An anderen Stellen wird ernsthaft ermahnt, Gott nicht zu versuchen (Apg 5:1-11, Mal 3:15, Jes 7:12, 1Kor 10:9.22-23, 2Mo 17:1-7). errette uns von dem bösen eine wichtige Fürbitte. Gemeint ist das Böse in uns und in der Welt, namentlich der Teufel.[4] Manche Gläubige leugnen die Existenz eines personifizierten Bösen, aus demselben Grund, weshalb die Mehrheit der Atheisten und Agnostiker den persönlichen Gott ablehnen: weil er nie in sichtbarer, greifbarer Form da war (oder nicht auf Knopfdruck verfügbar ist). Die das tun, geben ihre offensichtliche Unwissenheit zu.[5] Denn, wenn sie nicht selbst ein Wunder erlebt haben, dann hat es laut ihnen auch sonst niemand von den Milliarden von Menschen erlebt oder gesehen. Wenn sie nie von Christus direkt gehört haben, dann redet Gott überhaupt nicht mit Menschen. Doch diese Behauptung setzt unendliches Wissen voraus, was aber nur der Heilige besitzt. Die Realität ist, dass der Teufel persönliche Eigenschaften hat; das wird bezeugt durch das persönliche Auftreten Satans den Menschen gegenüber. Er ist nicht nur ansprechbar, sondern auch sehr aktiv auf unserem Planeten. Die menschliche Erfahrung, die heiligen Schriften, die Kirche und Gottes Geist bestätigen dies. Er sitzt nicht auf der rechten Schulter, parallel zum guten Engel auf der linken Schulter, um uns zum Sündigen zu verlocken. Das wäre verständlich, aber nicht richtig. In Wirklichkeit ist das menschliche Herz selbst eine Quelle des Bösen. (so Jesus in Mt 15:18ff, vgl. Jak 1:13-16). Möge er uns körperlich, geistlich, mental und emotional von den Bösen beschützen. Weil wir noch auf diesem Planeten leben, sind wir verwundbar für das Böse: «Aber von den Tagen Johannes des Täufers an bis jetzt leidet das Reich der Himmel Gewalt, und die, welche Gewalt anwenden, reissen es an sich.» (Mt 11:12, siehe auch 10:28). Da der Teufel vor seinem Fall ein Agent Gottes war, klagt er noch heute die Menschen vor Gott an und beschuldigt sie, nicht der Liebe und Gunst würdig zu sein. Darum bitten wir, dass der Herr uns vor den Absichten und der kriminellen Energie beschützt (vgl. Hiob 1-2, Lk 22:31).
Querverweise: Ps 129:23-24, 2Th 3:3, Jud 24, 1Pt 5:8, 2Kor 2:11, Eph 6:10-18, Mt 4:1-11, 13:24-30, Offb 3:10
[1] Eifrige Muslime sprechen den scheinbaren Widerspruch an, um das christliche Gottesverständnis lautstark anzugreifen: «Gott kann man nicht versuchen, aber Jesus wurde versucht. So stehts in eurer Bibel!» Das ist korrekt, aber bestätigt nicht im Geringsten deren Einwand. Gottes Sohn wurde zwar versucht, aber er gab ja der Versuchung nicht nach! (Hebr 4:15, Mt 27:4). Das ist ein starkes Zeugnis für seine Heiligkeit und Göttlichkeit.
[2] Paulus nennt ihn auch den Versucher (1Th 3:5).
[3] Er ist ein Gott der zweiten Chance.
[4] Ich gehe im Artikel Wozu kam Jesus in diese Welt näher auf dieses Thema ein.
[5] Agnostizismus, lat. ignoramus. «Nicht sichtbar» heisst nicht «nicht greifbar». Und nicht verfügbar, heisst nicht, nicht erreichbar. Nicht denkbar, heisst nicht, nicht existierend (in Bezug auf Gott). Dem Teufel bin ich selbst persönlich begegnet, weil er mir ein Angebot machen wollte. Ich rede nicht von einem grausam bösen Menschen oder einer verführerischen Frau (ich bin noch bei Vernunft und kann sehr wohl zwischen einem Engel und einem Menschen unterscheiden). Christus selbst bestätigt die Wirklichkeit der Teufel indem er auf die Tatsache verweist, dass sie ihre Ewigkeit in der negativen Endgültigkeit verbringen werden (Mt 25:41, 8:29, Jak 2:19, vgl. Jud 6, 1Pt 3:19).
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit! Amen.
denn Das Folgende begründet das vorher Gesagte. Dieser Einzeiler ist ein feierlicher Ausruf und wird auch Doxologie genannt (vgl. Phil 4:20, Gal 1:5, Eph 3:20-21, Röm 16:25-27, Hebr 13:21) dein Gott ist Ursache, Erhalter, Lenker und Vollender (Offb 1:8). Möge sein Wille geschehen und unser Wille in seinen Hineinwachsen (auch im Alphabet kommt dein vor mein) das reich Lk 11:20, 1Chr 29:11 die kraft «Ihr irrt, weil Ihr weder die Schrift noch die Kraft Gottes kennt» (Mt 22:29, 19:26, siehe 1Mo 18:13-14, 4Mo 11:23, Röm 1:20, Ps 33:6-9). Das grösste Wunder ist nicht die Schaffung der Welt ex nihilo[1], auch nicht die leibliche Auferstehung von Jesus, sondern wenn Gott einen Sünder heiligt und in einer profanen Welt vor der Versuchung bewahrt. Möge der Herr uns die Kraft schenken, den kleinen Sünden nicht Raum geben, bevor sie zur gewohnheitsmässigen Praxis werde, welche schliesslich unser Leben bestimmen. Nur er hat die Kraft, uns vor dem offensichtlichem Wahnsinn in dieser Welt zu beschützen und jede Selbstvergöttlichung einzudämmen (vgl. Joh 15:18, 1Joh 4:4). Ausserdem fällt beim genaueren Hinschauen auf, wie der tripersonale Gott in den heiligen Schriften offenbar ist (vgl. 1Kor 1:24 mit Röm 1:10 -> Jesu die ewige Kraft des Vaters, Sach 4:6 -> der Heilige Geist wird offenkundig von der Kraft differenziert). Jesus, die rechte Hand des Vaters, der Heilige Geist, die linke Hand. die herrlichkeit Es genügte, die Worte Jesu zu hören, um ein Feuer in Petrus zu entfachen. Während der Verklärung Christi war er so überwältigt von seiner Herrlichkeit, dass er gleich drei Hütten aufrichten wollte (Mt 17:4, vgl. 6:21). Was ist das für eine Herrlichkeit, dass die frühe Christenheit bereit war dafür zu sterben? Denn sie wurden lebendig verbrannt, geköpft, gehäutet, gekreuzigt und zu Unrecht den Löwen vorgeworfen werden: Sie wurden exkommuniziert, enterbt, entrechtet und diskriminiert (vgl. Hebr 11:32ff, 2Kor 5:8, 2Pt 1:16-18, Joh 14:30, vgl. Mt 6:21). Und wie mussten sich Adam und Eva fühlen, als sie die Herrlichkeit und den reichen Segen verloren? in ewigkeit Bei Gott geht es nie nur um den aktuellen Zustand, alles hat auch einen Ewigkeits-Aspekt (Joh 14:16, vgl. Offb 21-22). Die Zeit ist ein Darlehen, die Ewigkeit hingegen ein Geschenk. amen Auf aramäisch oder arabisch «amin».[2] Am Ende einer Aussage, einer Rede, eines Gebets oder eines Eides schliessen wir uns mit einem Amen-Ruf an (Ps 72:19, Neh 8:6, 4Mo 5:22, 5Mo 27:15-26). Es drückt die Zustimmung oder Gewissheit aus «so sei es» oder «das soll geschehen» (Jer 28:6). In Jes 65:16 heisst es «der wahrhaftige Gott» (in hebräisch «den Gott der Amen»). In 2Kor 1:19-20 (Hoffnung für alle Bibelübersetzung, welche mehr Wert auf inhaltliche Verständlichkeit als auf Worttreue legt) heisst es: «Auch Jesus Christus, der Sohn Gottes, ... war nicht gleichzeitig «Ja» und «Nein». Er selbst ist in seiner Person das Ja Gottes zu uns, denn alle Zusagen Gottes erfüllen sich in ihm. Und auf das, was Christus für uns getan hat, antworten wir zur Ehre Gottes mit «Amen»» (vgl. Offb 3:14).
Querverweise: 1Chr 29:10-12, Jud 24-25, Offb 7:12, 19:1
[1] Die Erschaffung aus dem nichts (Hebr 11:3, Offb 4:11, Joh 1:3, 2Pt 3:5, Ps 33:6, Jes 44:24, vgl. 1Mo 1:1-2). Die offenkundige Tatsache macht die Jungfraugeburt von Jesus umso plausibler für den natürlichen Menschen. Denn welchen Einwand wollen sie erheben? Sie glauben ja selbst an die Jungfraugeburt des Universums... Sie werfen uns Unvernunft vor, glauben aber, dass alles von nichts, durch nichts und für nichts entstanden ist (siehe Jes 1:3, Jer 8:7).
[2] Aramäisch war die internationale Militär- und Diplomatensprache im babylonischen und persischen Reich. Es ist sehr ähnlich wie Hebräisch. Nach dem babylonischen Exil verdrängte in Israel das Aramäische das Hebräische als Alltagssprache. Die Blütezeit der aramäischen Kultur lag in der Periode zwischen 700 und 200 v. Chr. Die Aramäer gelten als die Erfinder der «modernen» Mathematik mit dem Dezimalsystem und der Zahl 0 (vgl. Harald Haarmann, Weltgeschichte der Zahlen, s. 114 ff., 2008). Das Aramäische blieb Amts- und Kanzleisprache im Nahen und Mittleren Osten bis zur arabisch-islamischen Expansionsbewegung. Die meisten heutigen Aramäer sind bekennende Christen und Stolz darauf, die Sprache Christi zu reden.
Schlusswort
Das Pater Noster (= Unser Vater) ist keine Zauberformel, dessen wiederholende Aussprache Wunder wirkt. Es geht vielmehr darum, sein Herz vor Gott auszuschütten. Den er öffnet sich unseren Sehnsüchten, Zweifel, Ängsten und Schmerzen. Es ist nicht nötig dasselbe Gebet 8 Mal zu wiederholen. Gott hat es schon beim ersten Mal gehört! Schliesslich legen auch Raucher immer wieder Raucherpausen ein. Selbst ein stummer Schrei oder eine vergossene Träne können den Himmel erreichen. Etwas anderes ist ebenfalls wichtig: Wir erfahren von Lukas, dass sich die Glaubenden in Privathäuser versammelten, um vom Apostel Paulus zu lernen. Das ging auch bis spät in die Nacht so. Einmal so lange, dass plötzlich ein junger Erwachsener beim Fenster anlehnte, einschlief und aus dem 3. Stock fiel und auf dem Boden tot aufschlug. Sie eilten hinunter und brachten ihn wiederbelebt wieder rauf und machten voller Hingabe weiter. Bis zum Sonnenaufgang verbrachten sie gemeinsam Zeit und brachen das Brot (Apg 20:7-12). Genau das ist mein Ding: die stundenlangen Gespräche und Bibelstudien. Da kommt man sonntags im Gottesdienst viel zu kurz, Amen. Das Lesen der Bibel ist wie das Einatmen, das Gebet und der Lobsang das Ausatmen. Beides ist essentiell.
Im ersten Bildsehen Sie das Vater unser imn aramäischer Schrift. Im dritten und letzten Bild in englischer Schrift. In der Mitte die Paternoster Kirche in Jerusalem









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