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Eine Evangeliums-Illustration

  • 4. Aug. 2021
  • 24 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 20. Sept. 2021

Am Beispiel von Einreisebeschränkungen aufgrund der weltweiten Pandemie (COVID19) und der juristischen Haftung.


Wie kann man das Kernanliegen des Christentums erklären? Es ist nicht einfach, da viele Menschen unterschiedliches Vorwissen und Erfahrungen mit sich bringen. Im Moment geht mir folgende Frage durch den Kopf: Kann ich die globale Pandemie aufgrund des Coronavirus und die juristische Haftung als Parallele zur moralischen Verantwortung als Illustration für christliche Vorstellungen verwenden? Ich versuche es anhand eines ungewöhnlichen Vergleichs:


Einreisebeschränkungen – Der Vergleich mit dem Coronavirus

Coronavirus (oder auch COVID19, abgekürzt aus dem Englischen: Corona Virus Disease 2019) ist ein Virus dessen Ursprung umstritten ist. Dieser Virus kann Lungen- und Atemwegserkrankungen verursachen und löst verschiedenste zusätzliche Symptome aus. Die Erkrankungen verlaufen sehr unterschiedlich. Besonders ältere Menschen mit Vorerkrankungen sterben an diesem Übel. Es liegt in der Natur der Viren, dass diese sich ständig verändern und dadurch zufällig Mutationen entstehen. Eine Folge davon könnte eine erhöhte Übertragbarkeit sein, so dass sich neue Varianten wesentlich schneller ausbreiten. Heute spricht man von einer Pandemie, weil das Coronavirus einen grossen Teil der Weltbevölkerung gefährdet. Aufgrund dessen wurden verschiedene Massnahmen, Regeln und Verbote verordnet mit dem Ziel, den Virus einzudämmen. Was zuvor unvorstellbar war, wurde im März 2020 völlig unerwartet Wirklichkeit. Die Flughäfen weltweit wurden weitgehend geschlossen, die Einreise in andere Länder nur unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt oder gar nicht ermöglicht. Geschlossene Schulen, leere Ladenregale, Kulturveranstaltungen und Restaurantbesuche wurden verboten und es kamen ständig neue Vorschriten der Behörden hinzu.


Auf der Website des Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA lesen wir (Stand 7. Mai 2021): «Der Bundesrat empfiehlt, weiterhin auf nicht dringliche Auslandreisen zu verzichten ... Noch bestehen zahlreiche Einreisebeschränkungen (Einreiseverbot, Quarantäne, Gesundheitsnachweis etc.) Auch innerhalb der Staaten gibt es Massnahmen, um die Ausbreitung des neuen Coronavirus einzudämmen ... Erkundigen Sie sich vor Auslandreisen bei den ausländischen Vertretungen in der Schweiz (Botschaften und Konsulate) über die aktuell gültigen Transit- und Einreisevorschriften und anderen Massnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des neuen Coronavirus. Befolgen Sie vor Ort die Anweisungen der lokalen Behörden.»


Strikte Einreisebeschränkungen, die sich laufend ändern, da mussten wir moderne Menschen uns erst Mal daran gewöhnen. Dabei gab es Einreisebeschränkungen im Laufe der Weltgeschichte sehr häufig, je nach Land. Nur waren wir uns das nicht mehr gewohnt. Und entsprechend fremd war uns der Gedanke, dass auch Gott Einreiserestriktionen vorgeben könnte. Wie sehen Gottes Einreisebeschränkungen aus? Kann es sein, dass solch Einreiserestriktionen gelten, dass bestimmten Menschen den Eintritt in das Reich Gottes verwehrt wird? Wenn Machthaber und Herrscherfamilien Menschen die Einreise verweigern können, sie in das Exil verbannen dürfen, sich an eine strikte Rechtsauffassung und rigiden Moralvorstellungen orientieren, Vergehen konsequent verfolgen und bestrafen, wieso nicht auch der gerechte Gott?


Einreisebeschränkungen und Bürgerrecht im Himmel

Wie redet Jesus über den Himmel, über Gott und über den Menschen? An welchen Gleichnissen bedient er sich, um über das Wichtigste aller Themen zu sprechen? Er sagt pointiert: «Es ist noch nie jemand zum Himmel hinaufgestiegen ausser dem Menschensohn, der vom Himmel herab auf die Erde gekommen ist.» (Joh 3:13, 5:31-47). Mit anderen Worten: Ich bin von oben, ich rede von Dingen die ich kenne und gemacht habe. Wenn jemand qualifiziert ist, darüber zu reden, dann ich. Wer bereit ist zuzuhören, wird fündig. Ausserdem untermauerte Jesus den Wahrheitsgehalt seiner Behauptungen über den Glauben und den nicht überprüfbaren Bereich, indem er Wunder vollbrachte und auf erstklassige Zeugen verwies (Joh 3:2, Mk 2:9-11). Er hat das Recht, in diesen Angelegenheiten gehört zu werden. Darum wollen wir erfahren, was Christus dazu zu sagen hat:


Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich. (Johannes 14)[1]
Ich bin die Tür. Wenn jemand durch mich hineingeht, wird er gerettet werden und wird ein und ausgehen und Weide finden. (Johannes 10:9, s. Matthäus 7:13-14, 21-29)
Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von Neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen! ... Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, so kann er nicht in das Reich Gottes eingehen! Wundere dich nicht, dass ich dir gesagt habe: Ihr müsst von Neuem geboren werden! ... Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richte, sondern damit die Welt durch ihn gerettet werde. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, weil er nicht an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes geglaubt hat. (Johannes 3)
Und doch wollt ihr nicht zu mir kommen, um das Leben zu empfangen. (Johannes 5:40, vgl. 15:25, Spr 8:36)

[1] Ich arbeite seit über einem Jahrzehnt mit meinem Vater im Familienunternehmen. Derzeit führe ich das operative Geschäft und weiss, dass mein Vater niemand duldet, der mich hintergehen will. Für kein Geld der Welt. Denn wir sind eine Einheit, wir lieben und respektieren uns und sind schliesslich auch die Macher. Wie viel mehr trifft das auf den erschienenen Gott zu, der jede menschliche und irdische Ebene übersteigt? Wie kann jemand andauernd Gottes Sohn persönlich diskreditieren, verleugnen, verleumden, hassen, kritisieren und erwarten, dass Gott der Vater darüber hinwegsieht, der doch selbst Zeugnis über ihn abgelegt hat? Mit anderen Worten: Jesus ist König und der Himmel sein Königreich. Wie kann man sein Land bewohnen, ohne ihn anzuerkennen und im rechten Verhältnis zu ihm zu stehen? Jesus ist kein blosser Mensch, erhabener Engel oder Concierge Gottes. Er ist Gottes eigener Sohn, sein geliebter Augapfel. Er ist sinnbildlich amtierender Präsident und sitzt im Oval Office (Das ist das Büro des US-amerikanischen Präsidenten). Sie sind in vollkommender Willenseineit und wesensgleich. «Es gibt viele Wege die nach Rom führen!» Unbestritten, dass jedermann vor den Pforten Roms stehen wird. Die entscheidende Frage ist aber, ob man dort auch Grundeigentum, ein ewiges Bürgerrecht und einen gültigen Pass hat (Hausverbot ex iure (lat. «von Rechts wegen»)). Der richtige Glaube ist gleichbedeutend wie ein gültiger Pass. Das gilt nicht nur für die Zukunft, sondern auch für die Gegenwart. Der Glaube muss Kraft geben in schweren Zeiten, zu Lebzeiten absolute Gewissheit verschaffen, die existenziellen Lebensfragen kohärent beantworten, Tugenden einflössen und ein dauerndes Gefühl des Geliebt-Werdens geben, weil wir der Liebe bedürftige Menschen sind. Und wie Wilhelm Busch treffend sagt: «Einen Glauben, auf den man sterben kann.». Ich habe mal den eher witzigen Spruch gelesen: «Ich habe herausgefunden, dass Geld allein mich nicht glücklich macht – es muss mir auch gehören.». Genauso ist es mit dem Glauben: er muss nicht nur frei und gültig sein, sondern auch in meinem Besitz (Eph 6:16, vgl. Sprüche 18:10).


Jesus opfert sich für uns

Das zentrale Thema im Neuen Testament ist das fehlerlose Leben, der Tod, die Auferstehung und die Identität von Jesus Christus, welcher die Forderung von Gottes Gerechtigkeit erfüllt. Ein Mensch, der Gottes Gebote und Verbote ernst nahm und jeder Versuchung widerstand. Dadurch, dass er Gottes Sohn ist, hat sein Leben und aufgrund seiner Gerechtigkeit eine unermessliche Bedeutung. Denn wir Menschen verfehlen Gottes Standard und Ziel. Das gipfelt in dem Wort Sünde. Weil Sünde Gesetzlosigkeit ist, bedarf es der Rechtfertigung und Begnadigung einerseits und dem Lösegeld aufgrund der Strafe andererseits. Aufgrund der Rettungsaktion Gottes in Christus, wird Vergebung geschaffen, ohne dass seine Gerechtigkeit kompromittiert wird. Seine Gerechtigkeit und Heiligkeit können uns angerechnet werden. Der Glaube bewirkt, mit Gott versöhnt zu werden und geistlich wiedergeboren zu werden. Denn das Blut Jesu reinigt uns von aller Ungerechtigkeit, von aller Sünde. Er ist für unsere Sünden gestorben, an unserer Stelle, zu unseren Gunsten.[1]. Wir wissen auch ausserhalb vom religiösen Kontext von Opfer zu sprechen: Etwa bei der Blutspende, Organspende (wo der Empfänger durch unser Opfer weiterleben kann), oder Menschen, die aus Liebe oder Tapferkeit ihr Leben selbst für andere opfern (wie im Film «Vertical Limit» oder «Gran Torino») sowie James Harrison. Er hat eine extrem seltene Blutgruppe, die es ihm ermöglicht hat, zu Lebzeiten 1173 Mal zu spenden und half somit rund 2 Mio Müttern in Australien, ihr Baby auszutragen und Fehlgeburten zu verhindern (Quelle: welt.de). Auch in der Wirtschaft gibt es das Prinzip des Opfers: Wenn der Investmentbanker bei der Handelsabteilung der Bank durch unautorisierte Handelsgeschäfte einen Verlust verursacht, dann schickt man auch den Geschäftsführer als Sündenbock in die Wüste. Christus ist nicht ein Anwalt, der raffiniert Gesetzeslücken zu seinem Vorteil nutzt, um Freispruch zu erkämpfen, sondern er selbst erfüllt die Forderungen vom Gesetz. In der prophetischen Stelle in Jesaja 53:4-6 lesen wir, dass er unsere Schuld und die Strafe für die Sünde trägt. Wir leben nicht nach unseren eigenen Massstäben, geschweige denn nach Gottes Massstab, und das muss gesühnt werden. Unser Leben ist zwar nicht nur Chaos und Bosheit – aber eben nicht ohne.[2]

[1] 1Joh 1:7, Hebr 13:12, 9:14, Mt 26:28, Lev 17:11, Auge um Auge, Zahn um Zahn  der Gerechte litt einmal für die Ungerechten [2] Oft sind es unsere Feinde oder Nichtsgönner, die uns auf unsere (schlimmsten) Fehler oder Charakterschwächen aufmerksam machen.


Die Apostel und Jesus benutzen aber auch andere metaphorischen Aussagen, wenn sie das Kreuz deuten. Neben den juristischen Sprache (vom rechtfertigenden Freispruch, der Begnadigung, dem Zerreissen des Schuldscheins, Schuldenerlass, bezahltes Lösegeld, Penalty, s. Jes 3:13, 41:21), verwenden sie auch wirtschaftliche Begriffe (Freikauf des Versklavten: 1Kor 6:20, 7:23, vgl. Mt 13:45-46, 6:26, 1Pt 1:18), oder landwirtschaftliche Metaphern (Das Weizenkorn, das in die Erde fallen und sterben muss, damit es viel Frucht bringt: Joh 12:24, 1Kor 15:36-38), oder kulthaft (vom Sühnopfer, das uns neues Leben ermöglicht, s. Hebräerbrief, 3Mo 16, 17:11, 2Mo 21:30). «Sünde tragen» ist eine gängige hebräische Ausdrucksweise (Stichwort Yom Kippur). Eventuell mag man noch Anknüpfungspunkte in der Analogie zu einer Lebensversicherung sehen. Bei der man begünstigt wird, wenn der Versicherte ablebt.


Unsere Verantwortung

Wer sein Vertrauen (das heisst Glauben) in Jesus setzt, der wird am Ende vom Leben mit Freude empfangen. Die Hingabe muss aber zwingend zu Lebzeiten geschehen, denn nach dem Tod kommt das Gericht und die Verantwortung für unser Tun und Lassen wird sich nicht plötzlich in Luft auflösen. Wie kann sich der natürliche Mensch, der den Standard verfehlt hat vor dem Richter bewähren oder das Gerichtsurteil aufheben, wenn er keinen Fürsprecher zur Seite hat? John Stott schreibt in Bezug auf die moralische Verantwortung des Menschen:


Aber ist es fair, Menschen ihr Fehlverhalten vorzuwerfen? Sind wir wirklich verantwortlich für unser Handeln? Sind wir nicht viel häufiger Opfer von anderen handelnden Parteien als selbst handelnde Partei? Wird so nicht mehr gegen uns gesündigt, als dass wir selbst sündigen? Ein ganzes Zoo von Sündenböcken steht bereit – unsere Gene, unsere Biochemie in Gestalt eines vorübergehenden hormonellen Ungleichgewichts, unser ererbtes Temperament, das Versagen unserer Eltern während unserer frühen Kindheit, unsere Erziehung, unsere Bildung und unser sozial Umfeld. Alle zusammen scheinen sie ein undurchdringliches Alibi zu ergeben ... Das Konzept der «verminderten Zurechnungsfähigkeit» nehmen wir gerne an, aber nicht die völlige Auflösung aller Verantwortlichkeit, ausser in den extremsten Situationen. Die Parallele zwischen moralischer Verantwortlichkeit und juristischer Haftung ist an diesem Punkt sehr aufschlussreich. Im Allgemeinen geht das Strafrecht davon aus, dass es in der Macht der Leute steht, sich zu entscheiden, ob sie dem Gesetz gehorchen oder es brechen wollen, und es behandelt sie dementsprechend ... In seinen rechtsphilosophischen Essays unter dem Titel Punishment and Responsibility definiert H. L. A. Hart das Prinzip folgendermassen: «In allen fortschrittlichen Rechtssystemen wird die Strafbarkeit schwerer Verbrechen nicht nur davon abhängig gemacht, ob der Täter jene äusseren Handlungen begangen hat, die das Gesetz verbietet, sondern auch davon, ob er sie in einer bestimmten Geistesverfassung oder mit einer bestimmten Absicht begangen hat» (S. 187). Diese Geistesverfassung und Absicht wird in Fachkreisen mens rea genannt, was sich, obwohl es wörtlich übersetzt «schuldiger Geist» bedeuten würde, eigentlich auf den «Vorsatz» der Person bezieht. Zum Beispiel geht die Unterscheidung zwischen einer vorsätzlichen und einer nicht vorsätzlichen Tötung, also zwischen Mord und Totschlag, bis auf das Gesetz des Mose zurück. Das Prinzip findet auch in einem weiteren Rahmen Anwendung. Wenn jemand im Zustand geistiger Umnachtung, unter Zwang oder als ein Automat einen Gesetzesverstoss begeht, lässt sich strafrechtlich keine Schuldfähigkeit feststellen ... Die Berufung auf Unzurechnungsfähigkeit wird in Grossbritannien seit Jahrhunderten akzeptiert und seit 1843 als «Geisteskrankheit» gedeutet, die zu einem solchermassen «verminderten Urteilsvermögen» führt. Und zwar in dem Sinne, dass der Täter entweder «die Natur und Qualität der Handlung, die er beging», nicht erkannte, oder, falls er sie erkannte, «nicht wusste, dass er etwas tat, was falsch war». Diese Definition wurde jedoch dafür kritisiert, dass sie sich auf die Unwissenheit des Täters konzentrierte statt auf seine mangelnde Fähigkeit zur Selbstkontrolle ... Ebenso hat das britische Parlament auch beschlossen, dass kein Kind unter zehn Jahren eins Vergehens für schuldig befunden werden kann. Kindern von zehn bis vierzehn Jahren muss das Bewusstsein des schweren Unrechts konkret nachgewiesen werden. Strafbarkeit hängt also von der geistigen und moralischen Verantwortlichkeit ab, also von der mens rea, dem geistigen und willentlichen Vorsatz ... Jedenfalls kann ein Angeklagter nicht sein genetisches Erbmaterial oder seine Sozialisation als Entschuldigung für kriminelles Verhalten anführen, geschweige denn persönliche Unachtsamkeit. Nein, im Allgemeinen beruht die ganze Prozedur der Anklage, Verurteilung und Strafverkündung vor Gericht auf der Annahme, dass Menschen frei sind, Entscheidungen zu treffen, und die Verantwortung für ihre Entscheidungen tragen.»

Soweit ich das biblische Zeugnis beurteilen kann, gibt es keine Graubereiche aus göttlicher Sicht. Einzige Ausnahme sind Kindern, die aufgrund ihres Alters unter der Gnade stehen, oder kognitiv beeinträchtigten Personen die nicht zum Glauben (oder Unglauben) fähig sind. Diese sind Nutzniesser und Empfänger der Gnade, wie Jesus selbst sagte: «Lasst die Kinder und wehrt ihnen nicht, zu mir zu kommen; denn solcher ist das Reich der Himmel». (Mt 19:14). Wobei Gott nicht ungerecht ist und zwischen den in Ungewissheit begangenen und wissentlich begangenen Sünden unterscheidet (Lk 23:34, Apg 3:17, 1Tim 1:13, vgl. 1Tim 2:14, Jona 4:11).


Freiwilliges um Vergebung bitten vor der Justizbehörde

In der Schweiz dürfen seit dem 1. Januar 2010 steuerpflichtige Personen mit einer Selbstanzeige steuerstrafrechtliche Absolution erhalten und straffrei zur Steuerehrlichkeit zurückkehren. Treuhänder oder Steuerberater nennen das auch eine «Steueramnestie», die bezweckt, die steuerliche Vergangenheit «zu legalisieren» und reinen Tisch mit den Behörden zu machen. Vorausgesetzt, die Steuerbehörden sind zum Zeitpunkt der Mitteilung durch die steuerpflichtige Person nicht im Bilde dessen Steuerhinterziehung. Liegen ihnen bereits Daten über nicht deklarierte Einkünfte oder Vermögen vor, ist eine straflose Selbstanzeige nicht mehr möglich. Sinngemäss dürfen wir von der straflosen Selbstanzeige Gebrauch machen, indem wir die Justizbehörde (in diesem Fall Gott oder Christus) über die Vergehen informieren und um Vergebung bitten, was in der Begnadigung resultiert (Joh 5:26-29, Eph 1:6). Paulus nimmt dieses Motiv auf, indem er erklärt: «Gott hat den Schuldschein, der uns mit seinen Forderungen so schwer belastete, für ungültig erklärt. Ja, er hat ihn zusammen mit Jesus ans Kreuz genagelt und somit auf ewig vernichtet.». (Kol 2:14, Röm 4:25, 3:21-26, Mt 9:2-8, vgl. 1Sam 2:25).

Im 1. Artikel des schweizerischen Obligationenrecht heisst es, dass es für das Zustandekommen eines gültigen Vertrages der «übereinstimmenden, gegenseitigen Willensäusserung der Parteien» bedarf. Dieser Grundsatz gilt auch, wenn von der Vergebung im Kontext des neuen Bundes die Rede ist.[1] Ich vergleiche es auch gerne mit einem Testament: Christus hat uns sozusagen alle als Erben in sein Testament gesetzt, aber es liegt an uns, die Erbschaft anzunehmen oder auszuschlagen.[2] Gott respektiert die Freiheit, die er uns geschenkt hat, und räumt uns die Möglichkeit ein, Ja zu ihm zu sagen.


[1] Lukas 22:19-20, Röm 6:3-5, Mt 26:26-30, 23:37-39, 5Mo 30:15, Joh 5:40. «Ein Krieg ist erst vorbei, wenn beide Parteien das erklärt haben.» Man kann einseitig seinen Browersverlauf löschen, doch unabhängig davon bleibt der Internetverlauf für eine bestimmte Zeit (naja) beim Provider gespeichert. Gott hingegen verspricht, die Übertretungen auch von seiner Seite aus auf Dauer zu vergeben und zu vergessen: «Ich werde deine Übertretungen vergeben – um meinetwillen. Ich werde an deine Sünden für immer vergessen!» (Jesaja 43:25)

[2] Hebr 9:11ff, Joh 6:37, 1Joh 5:12, Spr 28:13, Röm 8:1. Siehe auch die Gleichnisse vom königlichen Hochzeitmahl (Mt 22:1-14, Lk 14:16-23, Eph 5:25-27).


Auswirkungen der Trennung von Gott

Am Anfang der Menschengeschichte erkennen wir, was die Trennung von Gott verursachte: Die ersten beiden Menschen wurden im Bilde Gottes geschaffen, ihm ähnlich, um Gemeinschaft mit ihm zu haben. Damit ist nicht physische Ähnlichkeit gemeint – denn Gott ist ein immaterieller, körperloser Geist -, sondern dass wir wie Gott Personen sind. Das heisst, kreative, rationale, selbstbewusste, freie Individuen, die in der Lage sind, moralisch bedeutsame Entscheidungen zu treffen und die Fähigkeit haben, in eine Beziehung zu Gott zu treten und an seinem Leben teilzuhaben. Die Menschen waren die Krönung der Schöpfung. In Herrlichkeit gekleidet, genossen sie den Segen Gottes. Nach ihrem Misstrauen wurden sie vom Garten Eden verbannt und ihre menschliche Natur wurde durch die Sünde beeinträchtigt (oder entstellt). Denn Willensfreiheit begründet Verantwortung[1]. Hempelmann erklärt, dass «Gottes Gerechtigkeit nicht mit menschlicher Ungerechtigkeit koexistieren kann!».[2] Seither neigen wir zur Selbstbezogenheit und erfahren den Tod, weil wir keinen Zugang zum «Baum des Lebens» haben. Unser Leben spielt sich nicht in einer isolierten Kapsel ab, und genau deswegen hat unser individuelles Verhalten immer einen Einfluss auf unsere Beziehungen und Umfeld. Wir sehen ja, was aus unserem Planeten geworden ist. Wir hätten auch anders handeln wollen können. Stattdessen leben wir auf Kosten anderer Möglichkeiten und auf Kosten anderer Menschen. Mit Steinen können wir Häuser bauen oder Menschen töten. Durch das Sprechen können wir andere Menschen aufbauen oder erniedrigen. Vergleicht man Jesus mit Adam, dann stellt man fest, dass durch den Ungehorsam Adams die Sünde in die Welt kam, als er von dem einen Baum ass. Durch den Gehorsam Jesus aber kam das Heil, weil er an dem einen «Baum», dem Kreuz, starb.[3] Genau wie das Sprichwort sagt «Geld regiert die Welt» um auszudrücken, dass Geld Macht ist. So kann man die Sünde als Macht verstehen, die die Menschen gefangen hält. Wir sind Sklaven unserer Stimmungen und Leidenschaften (Status quo). In Zukunft ist dies auch wieder passé (Status quo ante).


[1] «Kein Geschöpf wird mit Wünschen und Bedürfnissen geboren, für die es keine Befriedigung gibt. Ein Säugling hat Hunger, also bekommt er sein Fläschchen. Eine Ente will schwimmen, also gibt es Wasser. Die Menschen empfinden sexuelles Verlangen, also gibt es so etwas wie Sex. Wenn wir nun in uns selbst eine Sehnsucht vorfinden, die durch nichts in dieser Welt gestillt werden kann, dann können wir daraus doch schliessen, dass wir für eine andere Welt erschaffen wurden. Wenn keine irdische Freude dieses Verlangen stillen kann, heisst das ja noch nicht, dass die ganze Erde ein Betrug ist. Die irdischen Freuden waren vielleicht nie dazu bestimmt, es zu stillen, sondern nur dazu, es wachzurufen, auf das Wirkliche hinzudeuten.» (CS Lewis in Pardon, ich bin Christ)

[2] Siehe auch Habakuk 1:13a. Gottes Gerechtigkeit und Heiligkeit sind wesentliche Attribute die nicht kompromittiert werden. Im Kreuz konvertieren dennoch alle beide Eigenschaften mit der Liebe zur gleichen Zeit und werden öffentlich zur Schau gestellt. Erstens, und zweitens, hat Jesus selbst getan was er gepredigt hat. «Liebt eure Feinde», «Überwindet das Böse mit Gutem» oder «Wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden und, wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden.». Der Messias hat dadurch auch seine Integrität und Authentizität erwiesen, und seinem Charakter Genüge getan. Drittens hat er sich erfolgreich der Wahrheitsprobe hat gestellt.

[3] 1Kor 15:22; «denn gleichwie in Adam alle sterben, so werden auch in Christus alle lebendig gemacht werden.» Siehe auch Römer 5:12-21, insb. die Verse 18-19, vgl. 1Petr 2:24, Jesaja 53, Philipper 2:8, Offb 22:2, Sprüche 3:18.


Angenommen sein

Der Schuldaspekt ist einer, aber Sünde darf darauf nicht reduziert werden. Im Kreuz geht es nicht nur um das Wegnehmen der Summe an Verfehlungen, sondern auch um die Annahme der Menschen. Im Gespräch mit der Samariterin am Jakobsbrunnen trafen diese beiden Welten aufeinander, als Jesus sich als den verheissenen Messias zu erkennen gab und ihre Sehnsucht zuerst erfüllt und dann überbietet, indem sie von ihm wahr- und angenommen wird:


Da kommt eine Frau aus Samaria, um Wasser zu schöpfen. Jesu bat sie: «Gib mir etwas zu trinken!» Die Frau war überrascht, denn normalerweise wollten die Juden nichts mit den Samaritern zu tun haben: «Du bist doch ein Jude! Wieso bittest du mich um Wasser? Schliesslich bin ich eine samaritische Frau?» (Denn Juden haben keinen Umgang mit den Samaritern). Jesus antwortete ihr: «Wenn du die Gabe Gottes erkennen würdest und wer dich um Wasser bittet, so würdest du ihn bitten, und er gäbe dir lebendiges Wasser.» Da meinte die Frau: «Aber Herr, du hast ja keinen Eimer, und der Brunnen ist tief; woher hast du denn das lebendige Wasser? Bist du grösser als unser Stammvater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat ..?» Jesus erwiderte: «Jeder, der von diesem Wasser trinkt, wird wieder dürsten. Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, der wird nie wieder Durst bekommen, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm zu einer Quelle von Wasser werden, das bis ins ewige Leben quillt.» «Dann gib mir von diesem Wasser, Herr» bat die Frau, «damit ich nicht dürste und nicht hierherkommen muss, um zu schöpfen!». Jesus entgegnete: «Geh und ruf deinen Mann. Dann kommt beide hierher!» «Ich habe keinen Mann», wandte die Frau ein. «Du hast recht gesagt: Ich habe keinen Mann! Denn fünf Männer hast du gehabt, und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann. Da hast du die Wahrheit gesagt.» Erstaunt sagte die Frau: «Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist! Unsere Väter haben auf diesem Berg angebetet, und ihr sagt, in Jerusalem sei der Ort, wo man anbeten soll.» Jesus antwortete: «Glaub mir, die Zeit kommt, in der ihr Gott, den Vater, weder auf diesem Berg noch in Jerusalem anbeten werdet. Ihr betet an, was ihr nicht kennt; wir beten an, was wir kenn, denn das Heil [der Welt] kommt von den Juden. Doch es kommt die Zeit – ja, sie ist schon da -, in der die Menschen den Vater überall in Geist und in der Wahrheit anbeten werden; denn der Vater sucht solche Anbeter. Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.» Die Frau entgegnete: «Ja, ich weiss, dass einmal der Messias kommen soll, der welcher Christus genannt wird. Wenn dieser kommt, wird er uns das alles erklären.» Da sagte Jesus: «Ich bin’s, der mit dir redet!» Da liess die Frau ihren Wasserkrug stehen, lief in die Stadt und rief allen Leuten zu: «Kommt mit! Ich habe einen Mann getroffen, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe! Vielleicht ist er der Messias» Da gingen sie neugierig aus der Stadt hinaus und kamen zu Jesus. (Johannes 4:7-30, leicht überarbeitet).

Indem Jesus Tatsachen über ihr zerbrochenes Leben aufdeckt, - und dadurch sein göttliches Wissen und Identität offenbart – entfachte ein Feuer im Herzen dieser Frau. Dieses Gefühl wahr- und von Gott angenommen zu sein, ist kein Wunschdenken, sondern Realität für den Glaubenden. Denn das Reich Gottes ist als geistliche Dimension «mitten unter uns» und durch den Glauben erhalten wir ex abrupto den Heiligen Geist, der diese Wahrheit bestätigt. Jesus bekräftigt die Wirklichkeit und Implikationen der Gottesherrschaft, indem er auf die Tatsache verweist, dass er mit dem «Finger Gottes» - das ist der Heilige Geist - unreine Geister austreibt. Zu Lebzeiten dürfen wir die Heilsgewissheit erfahren, die uns bestätigt Gottes Kinder zu sein, und uns seine Nähe, Trost, Schutz oder Beistand spüren lässt. Die unvergleichbaren Erfahrungen am Heiligen Geist betrachte ich im übertragenen Sinn als direkte Gewinnausschüttung (Dividende), die «der erste Anteil unseres Erbes» ist (1Joh 5:9-10, Joh 16:13, Lk 17:20-21, Eph 1:14). Nicht umsonst sagt Dr. Stephan Holthaus: «Wer Gott erlebt hat, ist vom Atheismus kuriert.». Trefflicher könnte ich es nicht formulieren. Und auch Dr. Martin Luther King jr. sagte: «Unbewaffnete Wahrheit und bedingungslose Liebe haben in der Realität das letzte Wort.»


Der Wert einer Sache

Zwischenfrage: Wer definiert den Preis oder wie ermittelt man den Wert eines Guts? Stellt man ein Haus im Internet zum Verkauf, erhält man von zwei Duzend Kaufinteressenten 24 verschiedene Kaufangebote. Ist der Mensch nur das Wert, was er auch wieder einbringt? Dann ist Gott arm dran. «Mir hast du Arbeit gemacht mit deinen Sünden» (Jes 43:24). Oder hat der Mensch einen intrinsischen Wert und Würde, weil er im Gegensatz zu den Engel und Tieren das Bild Gottes trägt? So bemerkt Jesus in seiner fürsorglichen Art, dass wir «wertvoller sind als die Vögel und Tiere». Wir sind mehr wert als der monetäre Wert unserer Organe auf dem Schwarzmarkt. Und in seiner schlagfertigen Antwort in jener politisch brisanten Situation sagte er: «Zeigt mir einen Denar! Wessen Bild und Aufschrift trägt er?» (Denn es war das Abbild des Kaiser eingeprägt) «So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!». Und machte mit diesem profunden Werturteil sowohl die Pharisäer als auch Herodianern mundtot. Denn die Pharisäer waren in der Bibel so fit wie die Liberty Reserve in Geldwäsche. Denn sie wussten, dass es im Schöpfungsbericht der hebräischen Bibel heisst, «dass wir im Bilde Gottes geschaffen wurden, ihm ähnlich». Jesus sieht sich selbst als den Hirten, der bereit ist die 99 Schafe stehen zu lassen, um das 100. verlorenen Schaf zu suchen bis er es findet. Das steht im krassen Gegensatz zum Islam, der den Mensch als entbehrlich klassifiziert. Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, sagte Jesus, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern errettet wird. Gott beweist seine Liebe zu uns dadurch, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. Es ist diese Liebe die uns drängt und keine andere Wahl lässt. Und dieser Liebeswille Gottes stösst dem Teufel immer noch sauer auf, weswegen wir unter seiner Missgunst leiden. Ich bin nicht zynisch was das das Letztere anbelangt, sondern rede aus eigener Erfahrung.


Eine feste Heimat

Damit komme ich auch schon zum nächsten Punkt. Dem Herrn Jesus zugehörig und als geliebte Kinder Gottes erhalten wir eine ewiges Bürgerrecht und eine neue Heimat im Himmel. Denn es heisst:


Unser Bürgerrecht aber ist im Himmel, von woher wir auch den Herrn Jesus Christus erwarten als den Retter. (Philipper 3:20, s. Gal 4:26, 1Petr 1:1, vgl. Mt 8:20)
Sie alle, von denen wir jetzt gesprochen haben, haben Gott bis zu ihrem Tod vertraut, obwohl das, was er ihnen zugesagt hatte, dann noch nicht eingetroffen war. Sie erblickten es nur aus der Ferne, aber sie sahen der Erfüllung voller Freude entgegen; denn sie waren auf dieser Erde nur Gäste und Fremde und sprachen das auch offen aus. Wenn sich aber jemand als Fremder und als Gast bezeichnet, gibt er damit zu verstehen, dass er nach einer Heimat Ausschau hält (Hebräer 11:13-14, Lukas 10:20)
Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen; wenn nicht, so hätte ich es euch gesagt. Ich gehe hin, um euch eine Stätte zu bereiten. Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, damit auch ihr seid, wo ich bin. (Johannes 14:2-3, 13:36-37)

Letztere sind die Worte Jesu. Als Immobilienunternehmer weiss ich, dass Grundeigentümer in der Schweiz über einen sogenannten Grundbuchauszug verfügen. In diesem amtlichen Dokument ist der Eigentümer des Grundstückes (bzw. Hauses) namentlich aufgeführt. Der Heilige Geist bestätigt mir nicht nur, ein Kind Gottes zu sein, sondern gibt Zeugnis über die Bibel und somit den Worten Gottes. Das wirkt für mich wie ein Grundbuchauszug, der mir bescheinigt, später ein Haus im Himmel zu haben. Oder ein Pass der mir den Zutritt berechtigt. Das Ziel des christlichen Glaubens ist ohnehin nicht der Reichtum des Himmels, sondern Gott selbst[1]. Nicht blosse Einheit mit dem göttlichen, sondern Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott. Lassen Sie mich Ihnen meine Lieblingsgeschichte erzählen;


[1] Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Der unglaubliche Reichtum der in der Freundschaft mit Jesus liegt, die Kraft des Heiligen Geistes, die Liebe des Vaters, die Gegenwart der auferweckten Glaubenden, die Abwesenheit vom Bösen und das neue Ich, das Leben par excellence in Fülle, das findet man im Reich Gottes. (Das Wort Gemeinschaft ist das deutsche Wort für lat. commûnio). Der Apostel bestätigt dies: «Das Reich Gottes ist nicht essen und trinken, sondern Friede, Freude und Gerechtigkeit im Heiligen Geist.» (Röm 14:17, s. 1Kor 2:9, Jes 65:17). Eine neue Qualität von Existenz in einem Odeur der guten Laune (2Kor 5:17, Joh 10:10). «Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört und keinem Menschen ins Herz gekommen ist, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.» Ein Übergang von einem Zustand der Sündhaftigkeit zur Heiligkeit, ein Übergang von der Finsternis zum Licht. Ich würde nur die halbe Wahrheit erzählen, wenn ich die Tatsache vorenthalte, dass ich aus teils egoistischen Gründen zum christlichen Glauben gekommen bin.


Ein modernes Gleichnis

Bibelreferenzen: Röm 8:17, 8:32, Mt 10:42-42, 13:44-46, Mk 12:1-9, Spr 18:10, 1Joh 5:12, Joh 3:16-18.36


Das ist eine Geschichte von einem sehr wohlhabenden Mann, der mit seinem hingebungsvollen jungen Sohn eine Leidenschaft für das Sammeln von Kunst teilte. Dieser Sohn war sehr weichherzig und er ging oft durch die Stadt und hielt an, um mit den Menschen zu sprechen, die er traf. Eines Tages freundete er sich mit einem Bettler an. Und er begann, diesen armen Bettler regelmässig zu sehen. Er beschrieb ihm das grosse Anwesen seines Vaters und die Kunst die an den Wänden hing, und alles, was sein Vater geschäftlich tat. Der Bettler mochte diesen jungen Mann sehr gerne. Aber eines Tages kam der junge Mann nicht mehr. Zwei Tage, drei Tage vergingen und der Bettler fand heraus, dass sein Freund plötzlich verstorben ist. Also besorgte er sich Papier und ein paar Buntstifte und malte ein Porträt des jungen Mannes. Anschliessend ging er zum Anwesen des reichen Mannes und gab es dem Wachmann draussen mit der Bitte: «Würden Sie es bitte dem Eigentümer geben? Denn sein Sohn war sehr gut zu mir. Und ich habe sein Porträt gezeichnet, weil ich gehört habe, dass er eine Kunstgalerie in diesem Haus hat.» Der Wachmann schaut sich das an, war ziemlich verblüfft, und sagte: «Na gut, okay, okay», und schickte ihn weg. Aber er fand, dass dies eine gute Geste war. Also wartete er auf den richtigen Moment, als der wohlhabende Mann eines Tages mit seinem Auto wegfuhr, und sagte zu ihm: «Weisst du, ein Bettler kam hierher und hat das hier abgeben. Er hat ein Bild von deinem Sohn gemalt.» Der reiche Mann nahm es, bemerkte aber nichts dazu. Einige Jahre vergingen und der Bettler erfuhr, dass auch der reiche Mann verstorben war und dass man seine Sammlung auf einer Auktion versteigern wollte. Also beschloss er, sich ein paar schöne Kleider zu besorgen, um zu sehen, ob er sich hineinzwängen konnte. Das tat er. Und er ging durch die Halle, um zu sehen, ob das Porträt des Jungen bei all den grossen Meistern hing, und tatsächlich, es war da. Und der Auktionator kam und all die Liebhaber und Kunstsammler waren da: wunderbare kleine Brillengläser, die die Kunst studierten. Dann wurde der Hammer geschlagen und der Auktionator verkündete den Beginn der Versteigerung. Der Auktionator erklärte: «Es gibt eine Bedingung im Testament des reichen Mannes. Er hat bestimmt, dass dieses Porträt seines Sohnes das erste ist, das versteigert wird.» Der Raum war still. Minuten vergingen, aber niemand interessierte sich. Aus dem hinteren Teil des Raumes kam: «Wen interessiert schon dieses Bild? Gehen wir zu den guten Sachen über!». Weitere Stimmen stimmten zu. Der Bettler steckte seine Hand in die Tasche, holte ein paar Münzen heraus und bot, was er hatte. Niemand machte ein Gegenangebot, und der Auktionator schlug seinen Hammer: «Verkauft!» Jubel erfüllte den Raum und jemand rief: «Jetzt können wir loslegen und auf diese Schätze bieten!». Der Bettler hob sein Bild auf. Als er wegging, schlug der Auktionator erneut auf den Hammer. «Es gab noch eine zweite Bedingung.», verkündete der Auktionator. «Nach dem Willen des Vaters erhält derjenige, der das Portrait vom Sohn nimmt, die ganze Kunstsammlung.» Die Menge stöhnte und ächzte.


Der vielfältige Gott

Gott ist Liebe, und auch eifersüchtig. Er ist eifersüchtig, was die Liebe und Hingabe seiner Leute anbelangt (vgl. 2Mo 20:5, 5Mo 7:7-8). Das ist der Gott, von dem es heisst, dass er unsere Tränen in einem Glas aufbewahrt, die Gebete der Heiligen in einer goldenen Schale vor sich hat, uns herrlicher kleidet als Salomon, uns bereits im Mutterleib geformt hat, der im Garten Eden spazierte, aber auch dem zurückkehrenden verlorenen Sohn entgegen rannte, und dem Patriarchen Abraham zusicherte, den zu verfluchen, die ihm fluchten und den zu segnen, der ihn segnete. Weil er die Erstursache von allem ist, sind wir in Blick auf unser Wohlergehen und Rettung von Gott abhängig. Laut Psalm 91 sagt Gott über den Glaubenden:


«Weil er sich an mich klammert, darum will ich ihn erretten; ich will ihn beschützen, weil er meinen Namen kennt. Ruft er mich an, so will ich ihn erhören; Ich bin bei ihm in der Not, ich will ihn befreien und zu Ehren bringen. Ich will ihn sättigen mit langem Leben und ihn schauen lassen mein Heil!» (Psalm 91:14-16)


Sünde ist schlimmer als Krankheit

Corona als Illustration zum Evangelium stösst an ihre Grenzen. Denn es gibt kategorische Unterschiede zwischen einer Krankheit und der Sünde. Krankheiten können oft geheilt werden. Die Sünde muss aber vergeben werden, weil sie Gesetzlosigkeit ist. Grob gesagt: ist jemand krank, dann ruft man den Notarzt. Hat aber jemand gesündigt, dann kommt man vor Gericht. Stellt man die Sünde mit Krankheit auf eine Stufe, dann ersetzt man in Folge Strafe mit Behandlung und sieht sich selbst als Opfer, anstelle als Täter. Ausserdem kann die Krankheit in seltenen Fällen eine Strafe für die Sünde sein. Aber für die Krankheit gibt es keine Strafe (in Jesaja 53 wird die Sünde getrennt von der Krankheit aufgeführt, was impliziert, dass Sünde nicht eine Krankheit ist). Die Sünde wiegt schwerer als ein Coronavirus, welcher nur eine potenziell tödlich verlaufende Krankheit auslösen kann. Die Sünde ist eine Wirklichkeit und Macht, die zwischen uns und Gott steht. Sie entstellt unsere menschliche Natur und verdirbt unseren Willen, unser Handeln und unser Denken. Was wir tun wollen, das machen wir nicht, und was wir nicht tun wollen, das machen wir. Man wird sie nicht durch menschliche Bemühungen oder medizinischen (oder psychotherapeutischen) Behandlung oder Fortschritt los. Auch wenn der moderne Mensch die Gesundheit an die Stelle des Heils setzt und das Abendmahl und Gebet mit dem Medikament ersetzt. Ihre furchtbaren und zerstörerischen Folgen wiegen schwerer als bei einer Erkrankungen. Und schliesslich hat die Sünde nicht nur eine negative Wirkung auf horizontaler Ebene, sondern auch vertikal, in der Beziehung zu Gott. Als Glaubende kennen wir das unangenehme Gefühl der Entfremdung von Gott, wenn wir gesündigt haben. Und je näher wir Gott kommen, umso mehr werden wir uns unserer Sündhaftigkeit bewusst.[1] Wir kennen die guten Folgen bei Gehorsam und die schlimmen Folgen bei Ungehorsam. Niemand tritt ungestraft in ein Leben der Profanität ein. Ravi Zacharias schreibt: «Der einsamste Moment im Leben ist genau dann, wenn man das erlebt hat, von dem man gedacht hat, es würde das Grösste bescheren, aber es hat uns enttäuscht und tief runtergezogen.»[2] Krankheiten lösen vielleicht Scham- aber keine Schuldgefühle aus, falsches Verhalten und Denken aber beides (in der Annahme, dass es beides gibt: unberechtigte Schuldgefühle und falsche Zuversicht. Das schlechte Gewissen ist für die Seele des Menschen so etwas wie Schmerz für den Körper. Der Begriff Sünde hat viele Dimensionen und Facetten, darum bin ich auch kein Fan davon, diese zu verharmlosen und vermeide es, leichtfertig darüber zu sprechen. Ein Aspekt wird dennoch in der Analogie zwischen der Sünde und der Krankheit erhellt: nämlich die Betrachtung der Sünde als Erbkrankheit.


[1] Biblische Beispiele: siehe Lukas 5:8, Offenbarung 1:17, Jesaja 6:1-5, Hiob 42:5-6, Hesekiel 1:28, Daniel 10:9, 2. Mose 3:6

[2] Übersetzt aus dem englischen, The Real Face of Atheism, Seite 85: Surely, the loneliest moment in life is when you have just experienced that which you thought would deliver the ultimate, and it has just let you down.


Zum Schluss

Der Begriff Evangelium kommt vom griechischen evangelion und bedeutet «gute Nachricht» oder «frohe Botschaft», was impliziert, dass der guten Nachricht schlechte vorangegangen sind. In unserer dunklen Welt können wir behördliche Vorschriften ignorieren oder gar Grenzwächter beschwichtigen, um ans Ziel zu gelangen. Im Himmel geht das aus offensichtlichen Gründen nicht. Zuerst muss die Sünde gesühnt werden (Not-wendig). Und nur Jesus kann das tun, weil ausschliesslich er der Fürst des Lebens ist und exklusiv das Leben mit allen dazugehörigen Komponenten schenken kann.[1] Sinnbildlich ist sein Blut unser Impfstoff; seine Leben unser Segen, seine Worte unsere Freisprache.

Wenn man leben will, muss man aus der Lebensquelle schöpfen. Wenn wir unser Leben verwirkt haben, kann nur der Messias uns neues Leben ermöglichen und unsere Verfehlungen verzeihen (Apg 3:15, Offb 1:18, 1Kor 15:45, Joh 5:21-26). Genauso malte er die Wirklichkeit dem Volk Israel vor Augen: «Siehe, ich habe dir heute das Leben und das Gute vorgelegt, den Tod und das Böse ... alle, die mich hassen, lieben den Tod. Wählt das Leben.» Der Tod als Negation des Lebens. Jesus ist König, und er bietet uns sowohl Erlösung als auch Errettung. Das hat zwei Seiten: eine exklusive Seite in dem Sinne, dass ausschliesslich er Herr ist. Und eine inklusive Seite, die es ermöglicht, persönlich zugänglich zu sein. Wie in der Geschichte, machte sich der Bettler auf, um sich auf die Suche nach dem Vater des verstorbenen Jungen zu machen. Gott nimmt das steinerne Herz weg und gibt ein neues Herz. Weil «das Herz in der Bibel die Instanz ist, die denkt, fühlt, will und handelt.» (Hodge). Für die, die bereit sind zu Glauben und entschlossen Christus in ihrem Leben haben wollen, für die wird er zur persönlichen Realität. Gott der Vater wartet mit offenen Armen, nicht richtend, sondern freundlich und sanftmütig. Wer sich schämt, braucht das Gefühl, so angenommen zu sein, wie er ist. Gott beurteilt nachsichtig unsere schwache Seite, denn er weiss, dass «wir nur Staub sind» und wie unser genetisches Erbe und soziale Konditionierung (Erziehung, Umfeld) uns geprägt haben. Und er weiss, dass «Liebe Liebe zeugt» (John Stott). Jesus zeigt welche Qualität das Leben wirklich hat, er gibt es «in Fülle». Denn zum christlichen Glauben gehört nicht nur die unverdiente Vergebung, sondern auch die Befreiung von der Angst vor dem Tod, die Kraft des Heiligen Geistes, den Sinn des Lebens, übernatürlicher Friede, reine Liebe, Trost im Leiden, kühner Mut, Vitalität, Hoffnung mit Substanz, Hilfe in aussichtslosen Situationen, wirksame Weisheit, befreiende Erleuchtung, Vollmacht böse Geister auszutreiben, seelische Geborgenheit, eine neue Identität und die Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott. [2] Nicht im vollen Mass, aber genug. Genauso wie mit allem anderen im Leben bringt jeder Entscheid ein Verzicht mit sich (Stichwort Opportunitätskosten). Wenn man einen Partner heiratet, dann sagt man nicht nur Ja zu ihm, sondern gleichzeitig Nein zu allen anderen. Je eher ich Ja zu Gott sage, umso wertvoller die Investition in diese Beziehung. Denn auch hier gilt: Gott ist keine abstrakte Eigenschaft oder unpersönlich, erst recht nicht ungerecht. Wer frisch verliebt ist, wünscht sich auch, den Partner/in früher kennengelernt zu haben. Und genauso wenig, wie man zwei Ehen gleichzeitig führen und erfüllen kann, gleicherweise kann man nicht ein doppelspuriges Leben führen. Jesus selbst stellte klar: «Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich. Wer nicht sammelt, der zerstreut.» Ansonsten leidet die Qualität der Beziehung. Würde man mich einen Jahrzehnt in die Vergangenheit schicken und mich vor die Wahl stellen, ich würde wieder Christus wollen. Ich bereue keinen Sekunde. Sein Name bedeutet mir heute so viel mehr als damals.


[1] Ohne Umweg über die Priesterschaft, denn er selbst ist der ewige, reine Priester (Hebr 9)

[2] Hiob 14:7, Lukas 21:14-15, Matthäus 10:19-20, 2. Korinther 4:16, 13:13, Johannes 14:27, 4:10-14, Jakobus 1:5, Hebräer 2:14-15, 1. Korinther 1:9, Matthäus 22:29, Jesaja 40:31, Römer 15:13 uvm.


 
 
 

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